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Webisodes & Co

Die durch flächendeckende Breitbandanbindungen rapide steigenden Angebote, Videos über das Internet per Streaming oder Download anzuschauen, bieten Medienkonsumenten zunehmend die Möglichkeit, sich von den festen Sendezeiten des klassischen Fernsehens zu entkoppeln, sowie gezielter nach bestimmten Interessensgebieten zu suchen. Auf der anderen Seite ermöglichen sie neuen Produzentenschichten, Inhalte zu erstellen, die entweder durch geringeren kommerziellen Druck oder größere Zielgruppen im Internet, nicht so massenkompatibel wie viele der Inhalte des klassischen Fernsehens sein müssen.

Insbesondere in den USA werden viele der sogenannten Webisodes (zusammengesetzt aus ’web’ und ’episodes’) mit beachtlichem (finanziellem) Aufwand produziert, da einige Firmen diesen Weg als Einsatzform im Bereich des viralen Marketings für sich entdeckt haben und entsprechende Summen aus ihren Werbebudgets in Konzeption und Umsetzung investieren. Aber auch in Deutschland gibt es erste (finanziell in weit geringeren Dimensionen angesiedelte) Experimente mit dieser Form. Eine gute Übersicht bietet Philip Pratts Seite zum Thema Webisodes/Webserien.

Das Marketingobjekt muss dabei keineswegs zwangsläufig eine Fernsehserie oder ein Kinofilm sein. Der ehemalige Disney-Vorstandsvorsitzende Michael Eisner versucht, einen Teil der immer weniger lesenden potentiellen Buchkäufer im Netz abzuholen. Mit seiner neuen Medienfirma Vuguru und dem Verleger des Autors Robin Cook, aus dessen Feder die später verfilmten Bestseller wie ’Coma’ und ’Outbreak’ stammen, wird er ab dem 27. Mai 10 Wochen lang 50 zweiminütige Webisodes veröffentlichen, die vor der Romanhandlung des neuen Buchs ’Foreign Body’ spielen und Appetit auf die gedruckte Version machen sollen, die einen Tag nach der letzten Folge im Handel erscheinen wird.

Neben den Webisodes gibt es auch sogenannte Mobisodes (’mobile’ [=engl. für Handy] ’episodes’), die für mobile Endgeräte wie Handys oder Portable Media Player ausgerichtet sind. Dabei handelt es sich entweder um eigens produzierte kurze Episoden, die meist die Zuschauer einer Serie die Wartezeit zwischen zwei Staffeln einer Fernsehserie zu verkürzen (z.B. ’Lost - Missing Pieces’) oder sie stellen einen zusätzlichen Kanal zur Verwertung von nicht gesendetem Material dar (’The Simple Life’). Auflösung und Bildqualität lassen aufgrund der Beschränkungen der Endgeräte, für die sie konzipiert wurden, teilweise zu wünschen übrig.

Zum Schluss noch der Hinweis auf Webisodes aus heimischer Produktion: Seit letztem Herbst bin ich bei der Produktion der Internet-Soap ’Die Wohnung’ eingestiegen, bei der in unregelmäßigen Abständen neue Folgen im Netz veröffentlicht werden.

13.3.08 23:47


Get a life!

Vor etwa zehn Jahren prophezeite der häufig als Internet-Guru bezeichnete Nicholas Negroponte, bald käme der Tag, an dem Teenager mehr Geld für die Kleidung ihrer Avatare, als für ihre eigene ausgeben würden. Wenn man virtuelle Welten wie Second Life und das Verhalten seiner mittlerweile über sechs Millionen Einwohner betrachtet, könnte dieser Zeitpunkt gekommen sein. Diverse Firmen nutzen das derzeitige Aufmerksamkeitspotenzial und kreieren medienwirksam ihre eigenen Auftritte in der virtuellen Welt. Sony betrieb zur diesjährigen CeBIT einen Messestand in Second Life; von jüdischen Verlagshäusern bis hin zum Springer Verlag werden dort eigene Formate angeboten. Diese werden derzeit kostenlos verteilt, sollen aber zu einem späteren Zeitpunkt gebührenpflichtig werden und viele Firmen testen derzeit Einnahmepotenziale. Da die Second Life-Währung 'Linden Dollar' jederzeit in harte Dollar umgetauscht werden kann, haben gerüchteweise einige Second Life-Bewohner bereits den Job in ihrem “ersten Leben“ gekündigt und arbeiten in der virtuellen Welt, vornehmlich als Designer, DJs oder Immobilienmakler. Reich werden die Meisten auf diesem Wege jedoch nicht; die realen Verdienstmöglichkeiten werden derzeit in Relation zum Aufwand als gering eingeschätzt. Für eine virtuelle Dependance der Bundesagentur für Arbeit ist es daher wohl noch zu früh. In nicht allzu ferner Zukunft könnte sich aber ein Teil der in den klassischen Arbeitsmärkten nicht mehr vorhandenen Arbeit tatsächlich in den Dienstleistungssektor virtueller Welten verlagern.
Auch wenn Second Life nach Expertenmeinung technisch längst überholt ist, zieht es derzeit genügend mediale Aufmerksamkeit auf sich und wurde von (Semi-)Prominenten als Promotionsspielwiese entdeckt. So ist man selbst in der virtuellen Welt nicht mehr vor Talkrunden mit Sabine Christiansen sicher und es steht zu befürchten, dass Entertainer, die es nicht mehr ins nächste Dschungelcamp schaffen, ebenfalls versuchen werden, ihrer Karriere in Second Life noch einmal einen letzten Schub zu verleihen. Auch die Politik möchte sich keine Gelegenheit zum Erheischen von Aufmerksamkeit entgehen lassen. Dass der französische Präsidentschaftswahlkampf auf Sarkozys Insel entschieden wird, darf jedoch bezweifelt werden.


Die virtuellen Welten sind (derzeit noch) demokratischer als die Zukunftsvisionen der Science Fiction-Literatur (z.B. die von Tad Williams erdachte Zuflucht der Reichen namens ’Otherland’ oder der hauptsächlich Informationen beherbergende Cyberspace von William Gibson), bleiben aber nicht von den in der realen Welt auftretenden Problemen verschont. Dabei müssen in einigen Bereichen moralische und juristische Fragen komplett neu definiert werden. Auf der anderen Seite finden sich in der Entwicklungsgeschichte der virtuellen Welt erstaunliche Parallelen zur amerikanischen Geschichte.
Als Warnung an Nerds & Konsorten, sich nicht in virtuellen Welten zu verlieren und das wirkliche Leben nicht aus den Augen zu verlieren, wurde die satirische Seite www.getafirstlife.com erschaffen. Für diejenigen, die auch damit nicht zu retten sind und keine oder nicht die gewünschten Freunde im realen Leben haben, wurden Angebote wie fakeyourspace angekündigt. Dort lassen sich gegen eine monatliche Gebühr angebliche 'hot friends' mieten, die zweimal pro Woche einen Eintrag mit Foto auf den eigenen Seiten hinterlassen. Selbst für das “Schluss machen“ mit Online-Freunden bieten sich Dienstleister an. Bei wem es bereits so weit gekommen ist, der könnte sich allerdings auf dem besten Weg dazu befinden, die zahlreichen Limitationen und Mühen des realen Lebens als störend zu empfinden und wartet vielleicht schon sehnsüchtig auf die in Science-Fiction-Romanen angekündigten Tanks mit Nährlösungen, die ein komplettes Leben in der der virtuellen Realität ermöglichen sollen. Der Sozialkompetenz dürften viele der neuen Angebote, die die Grenze zwischen “wahrer“ und “virtueller“ Identität verwischen, allerdings nicht unbedingt zuträglich sein.
9.4.07 21:04


Update Germanismen: katzenjammer
1.2.07 22:13


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'Zuender' ist ein Portal der Wochenzeitschrift 'Die Zeit', das sich in Form und Inhalt an den jüngeren Teil der Leserschaft richtet. In ihrem Leserblog werde ich von nun an in unregelmäßigen Abständen Beiträge, die sich mit dem gesellschaftlichen Klima in den USA befassen, veröffentlichen. Den ersten Beitrag kennen Abonennten meines Blogs bereits: Guantánamo University.
Hier ist der Link zum Leserblog und der direkte Link zu meinem Beitrag.
14.9.06 15:54


Treffpunkt Babylon

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Kürzlich habe ich beim Googeln entdeckt, dass die zur Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften gehörende ’Junge Akademie’ eine Internetseite zu ihrem Wettbewerb aus dem Jahr 2004 online gestellt hat. Die Junge Akademie stellt, analog zu den öffentlichen akademischen Fragestellungen des 18. und 19. Jahrhunderts, jedes Jahr eine Preisfrage, um den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu beleben. Im Jahr 2004 lautete die Frage „Welche Sprache spricht Europa?“ zu der ich eine kurze Erzählung einsandte, die die Frage aufwarf, wie viel des gegenseitigen Verstehens von einer gemeinsam gesprochenen Sprache abhängt. Sie wurde Teil der Ausstellung und ist nun unter diesem Link zu lesen.
7.8.06 23:42


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