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Effing F-words

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Dass Amerikaner recht prüde sind und Eltern ihre Kinder lieber vor dem Anblick einer nackten Frauenbrust als dem eines Kettensägemassakers bewahren, ist glaube ich hinlänglich bekannt. Als Beispiel ließe sich das sogenannte Nipplegate bzw. - im politisch korrekten Sprachgebrauch - Janet Jacksons „wardrobe malfunction“ beim Super Bowl 2004 anführen. Dieses tauchte hier nicht wie in Deutschland einen Tag als Schlagzeile auf und verschwand anschließend in der Versenkung, sondern erhitzte monatelang die Gemüter. Der übertragende Sender CBS wurde mit einer Strafe von $550.000 für das Ausstrahlen dieser Live-Bilder in einer Zeit, in der auch Kinder regelmäßig fernsehen (6-22 Uhr), belegt. Seit diesem Zwischenfall senden viele Stationen ihre vermeintlichen Live-Sendungen 5 Sekunden zeitversetzt, um bei ähnlichen Ereignissen schnell eingreifen zu können.

Wer dieses nun aber als ein Überbleibsel aus der Zeit der Puritaner einstuft, das bald verschwinden wird, täuscht sich gewaltig. Im Gegenteil: Zur „Stärkung der Familien“ zieht die gegenwärtige Regierung die Schrauben auch auf diesem Sektor an. Im Juni 2006 wurden die möglichen Strafgelder für ‚indecent content’ (unanständige Inhalte) verzehnfacht, was zahlreiche Film- und TV-Produzenten auf den Plan gerufen hat. Fürsprecher der ‚freedom of speech’ sehen in den Regularien eine indirekte Zensur. So sei zum Beispiel bei Dokumentarfilmen eine „freiwillige“ Zensur von Originaldialogen zu beobachten. Seit dem Anheben der Strafgelder schrecken viele Sender auch vor der Ausstrahlung von Filmen wie ’Saving Private Ryan’ zurück, in dem bei einigen Gefechtsszenen das F-Wort vorkommt.

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Da auch in Berichten über das Thema die schlimmen Wörter nicht ausgesprochen werden dürfen, kommt es zu verbalen Verrenkungen wie dieser:
A: „Let’s talk about the P-word, which is a term that can describe a female cat. It can also mean a female’s private parts and it can be used as a derogatory term for a male that is regarded as being soft.”
B: “I think I got you.”

Wer einen Blick in das Strafenregister werfen will, kann das in dieser Tabelle tun. Als Angestellter der großen Banken (Wachovia, Bank of America) kann man für den Gebrauch von „improper language“ während der Arbeitszeit übrigens ganz schnell gefeuert werden. Viele meiner Kollegen haben die Zensur schon übernommen und fluchen kinderfreundlich „shoot“ (shit), „effing H“ (fucking hell), „son of a gun“/„son of a biscuit“ (son of a bitch) oder „motherhumper“.
Bis zu ihrem 18. Lebensjahr haben amerikanische Kinder im Schnitt übrigens ca. 16.000 - 32.000 Morde im Fernsehen gesehen (die Schätzungen gehen auseinander, aber die Dimensionen werden glaube ich klar). Ich zitiere noch einmal die republikanischen Senatoren, die das neue Gesetz zur Zensur in den Medien auf den Weg gebracht haben: „Ein Sieg für Kinder und Familie.“
5.10.06 23:51


TV Nation

Dass ich kein amerikanisches Fernsehen mehr habe, bedeutet nicht, dass ich es im Alltag nicht mehr zu Gesicht bekomme. Im Gegenteil: Mein Apartment dürfte einer der wenigen fernsehfreien Orte in den USA sein. Es beginnt morgens im Stau. Zur Ruhigstellung der Kinder haben viele Autos Bildschirme in der Rückseite der Vordersitze, so dass die Kinder während der Fahrt Filme sehen können. Im Büro steht auf jeder Etage ein Fernseher, ebenso in der Kantine. Sollte man auswärts bei ’Red Brick Pizza’ essen, liegt neben der Serviette die Fernbedienung, denn es gibt einen kleinen LCD-Bildschirm an jedem Tisch.

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Termin beim Friseur oder Zahnarzt? Bei ’Sports Clips’ läuft ESPN auf einem Fernseher neben dem Spiegel und auch während der Zahnarzt bohrt, verpasst man nichts. Das lernte ich vor kurzem, als eine Kollegin in die Runde fragte, was um 4 Uhr im Fernsehen komme, da sie dann einen Zahnarzttermin habe. Die Techniken hierbei reichen von einen Fernseher gegenüber des Behandlungsstuhls, über Bildschirme an der Unterseite der Lampe, die einem in den Mund leuchtet, bis hin zu futuristischen TV-Brillen.


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In Apartments befinden sich im Durchschnitt 3-4 Fernseher. Einer im Wohnzimmer, ein schwenkbarer in der Küche, den man je nach Position und Tätigkeit ausrichten kann und zusätzlich in jedem Schlafzimmer einer. Weitere Orte, die mit Fernsehern ausgestattet sind: Warteräume jeder Art (Flughafen, Autohändler, Ärzte, Krankenhäuser), Fitnessstudios, Bars, Hotellobbys, Geschäfte… Flucht ist zwecklos!

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25.8.06 17:08


Reality killed the TV star

Es heißt, in den USA könne man die Zukunft des Fernsehens sehen. Sollte das so sein, so habe ich seinen Tod gesehen oder zumindest einen Zustand des Wachkomas, in dem der Patient über Schläuche nur durch die künstliche Zufuhr von Werbespots am Leben gehalten wird. Die Verheißungen eines Mediums zur Information und Unterhaltung des Volkes sind einer reinen Hypnosemaschine zur Gehirnwäsche und Ruhigstellung von Konsum-Zombies gewichen.

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Die Nachrichten auf den Privatsendern sind eher desinformierend als erhellend, da sie auf quotenbringende Sensationsmeldungen ausgerichtet sind. Wenn man sie denn inmitten all ihrer Werbeblöcke überhaupt findet. Die öffentlichen Sender, die guten Journalismus bringen, werden von der Regierung unter Beschuss genommen und werden es zunehmend schwerer haben. Auf den anderen Kanälen laufen nur noch Reality-Shows, die mit der Realität allerdings nicht allzu viel zu tun haben, da sie ’gescripted’ sind, um genug Drama für eine hohe Quote sicherzustellen. Selbst die Musiksender zeigen - wie in Deutschland - schon seit langem keine Videoclips mehr, sondern… Reality-Shows. Nachdem MTV 1981 mit dem ersten Clip noch plakativ das Ende des Radiozeitalters verkündete, ist die Mehrzahl der Kanäle mittlerweile still und leise zu Abspielstationen eines realitätsfernen Reality TVs mutiert.

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Um die Dimensionen zu verdeutlichen: Von den knapp 200 Kanälen, die bei dem erweiterten Standardpaket meines Kabelanbieters enthalten sind, dürften zu einer beliebigen Tages- oder Nachtzeit über 100 Sender Reality-Formate in immer schneller wechselnden Zyklen ausstrahlen. Die ursprünglich vom Satiremagazin Titanic geprägte und von Harald Schmidt wieder aufgegriffene Bezeichnung vom Unterschichtenfernsehen bekommt hier eine neue Dimension.
Sicherlich gibt es auch gute Programme, nur gehen sie in der Flut der lauten, künstlich dramatisierten Sendungen unter. Selbst mit dem über meinen Videorekorder nutzbaren TV-Guide, der eine Suche nach bestimmten Kategorien ermöglicht, war es kaum möglich die Perlen in all dem Müll aufzuspüren. Hier kann nur ein ausgefeilterer TV-Guide per Internet Abhilfe schaffen, bei dem man bessere Möglichkeiten zu einem gezielten Suchen in der Programmflut hat.
Da das Fernsehen hier auch noch recht teuer ist ($80 im Monat), gab es für mich nur eine Konsequenz: Kündigung des Fernsehvertrags und Rückkehr in die Wirklichkeit! Bye bye American TV…

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18.8.06 21:10


Urban Struggles

Die Einwohner dynamischer Großstädte sehen sich häufig dem Problem ausgesetzt, dass ihre Wohnung und damit ein Teil ihrer Existenz zum Spielball von Spekulanten wird. In New York bekommen dieses immer häufiger auch die Einwohner Harlems zu spüren, da mit der Lower East Side auch im letzten ehemaligen ’Problemviertel’ Manhattans die Preise in den Himmel schossen (nachdem Moby dort den hier gezeigten Teeladen eröffnete).

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Nicht nur, dass die größte private Universität der Vereinigten Staaten, die Columbia University, in Harlem stark expandieren und sich mehrere Wohnblocks mit kleinen Geschäften und Sozialwohnungen einverleiben will. Auch andere Bereiche wurden dort innerhalb des letzten Jahres von großen Immobiliengesellschaften aufgekauft. Nach Durchführung erster kosmetischer Renovierungsarbeiten, werden die Bewohner nun regelmäßig wegen (oft erfundener) angeblicher Vernachlässigungen ihrer Verpflichtungen vor Gerichte zitiert, um sie letztendlich zum Auszug zu bewegen, damit die subventionierten Mietwohnungen anschließend als teure Eigentumswohnungen verkauft werden können. Die Immobiliengesellschaften beschäftigen zu diesem Zweck ganze Heerscharen von Anwälten, deren konstanter Angriffe sich die eher der Mittel- und Unterschicht zuzuordnenden Bewohner meist hilflos gegenübersehen. Das Problem hat mittlerweile dermaßen große Ausmaße angenommen, dass es nicht nur die Liste www.nycworstlandlords.com gibt, sondern dass sich mehrere Nachbarschaften organisiert haben, um sich besseren Rechtsbeistand und mehr Gehör bei Politikern zu verschaffen. Letzteren wird weiterhin vorgeworfen, nicht viel im Sinne der Unterprivilegierten gegen das Big Business zu unternehmen.

Doch auch als halbwegs zahlungskräftiger Mieter eines Apartments im Süden von Charlotte bleibe ich nicht verschont. Nachdem man mir den Einzug mit einem speziellen Discount schmackhaft gemacht hat (rent 12 months – get 2 months free!), wird seitdem die Mietschraube angezogen. Ich zahle mittlerweile $120 pro Monat mehr für das gleiche Apartment und erfülle genau die Bedingung, auf die die Immobilienhaie spekulieren: Ich habe einfach keine Lust, alle paar Monate umzuziehen!

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20.7.06 22:29


Drowned Alive

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Die Magie steckt fernseh- und aufmerksamkeitstechnisch in einer Krise. Mit Kartentricks kann man schon seit Jahrzehnten nur noch im Familienkreis auftreten und nachdem Copperfield & Co immer größere Gegenstände bis hin zur Freiheitsstatue haben verschwinden lassen, müssen neue Grenzen überschritten werden. In Anlehnung an den wohl bekanntesten Illusionisten, Harry Houdini, ist es in den letzten Jahren dem in Brooklyn geborenen Einwanderersohn David Blaine gelungen, durch spektakuläre öffentliche Performances wieder Prime Time Sendeplätze zu belegen.

Nachdem er sich im November 2000 bereits über 60 Stunden in einem Eisblock auf dem Times Square einfrieren ließ, bestieg er Anfang Mai im Rahmen seines Stunts Drowned Alive einen Wassertank auf dem New Yorker Lincoln Square, in dem er sieben Tage ausharrte, lediglich mit Schläuchen für die Sauerstoff- und Nahrungszufuhr verbunden.

Interessant sind hierbei die unterschiedlichen Reaktionen in Amerika und Europa: Während er in den USA hauptsächlich Zuspruch erfährt und die Leute ihn als „inspirierend“ beschreiben, nehmen die Engländer ihn offensichtlich weniger ernst. So wurde er, als er 44 Tage ohne Nahrung in einem Plexiglaskasten über der Themse hing, nicht nur mit Golfbällen und Farbbeuteln beschossen; eine britische Zeitung ließ den Kasten mit einem ferngesteuerten Hubschrauber, an dem ein Hamburger hing, umkreisen, um einen vorzeitigen Abbruch der Aktion zu provozieren.

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David Blaine selber beschreibt seine Aktionen als Versuch, die Menschen zum Nachdenken zu bringen und den Triumph des Geists über den Körper zu illustrieren. Abenteuerlustige Draufgänger früherer Jahrzehnte, wie der in den USA legendäre Evel Knievel sind sich dagegen sicher: „Er ist ein Gefahrensucher, nicht mehr und nicht weniger.“


Ebenfalls zu lesen im Logbuch der Berliner Gazette.

17.5.06 20:23


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